Geschichten erfolgreicher Menschen im Ruhestand

Wie gestalten Menschen im Ruhestand ihren Tag?

In dieser Rubrik finden Sie ab sofort Erfolgsgeschichten von Menschen im Ruhestand, die Ihren Alltag mit unterschiedlichen Dingen und Aufgaben meistern und genießen. Möchten Sie auch hier veröffentlicht sein? Sehr gerne – ich freue mich auf Ihre persönliche Geschichte aus Ihrem Ruhestand per Mail an coaching@un-ruhe-stand.de.

Ihr un-ruhe-stands Coach Christian Hartmann

Nach der Politik in das eigene Unternehmen

Einen großen Schritt von der Politik ins eigene Unternehmen hat auch Rainer Brüderle, ehemaliger Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, gewagt.
Was ihn dazu bewogen hat und welchen Weg er gegangen ist, das lesen Sie HIER.

Existenzgründung im Unruhestand

Zum Ende des Jahres 2012 mit Vollendung meines 62. Lebensjahres, lief vereinbarungsgemäß mein Anstellungsvertrag als Geschäftsführer eines Versicherungs-vermittlers aus. Bereits acht Jahre vorher hatte ich überlegt, was mich nach diesem Zeitpunkt begeistern könnte. Eine selbständige Tätigkeit als Berater und Coach, in der ich meine Erfahrungen und mein Wissen weitergeben könnte, erschien mir sehr reizvoll und sinngebend.

Von diesem Zeitpunkt an investierte ich neben meiner anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit, Zeit und finanzielle Mittel in entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen. Bereits seit 2010 bin ich nebenberuflich als Coach und Trainer in Vertriebs- und Führungsthemen tätig geworden. Diese Praxiserfahrung aus der nebenberuflichen Tätigkeit und die absolvierten vielfältigen Qualifizierungsmaßnahmen waren für meinen Start in die Selbständigkeit im Jahr 2013 extrem hilfreich.

Zum 1.März 2013 machte ich mich als Coach, Consultant und Trainer selbständig. Der Schwerpunkt meiner neuen Tätigkeit liegt in den Themen Führung, Vertrieb, persönliche Kompetenzerweiterung und im Stressmanagement und Gesundheitscoaching. Ein neues interessantes Geschäftsfeld erschloss ich mir 2015 mit der Beratung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Als Existenzgründer im Unruhestand kann ich es mir erlauben nur die Aufträge zu übernehmen für die ich kompetent bin und die mich interessieren. Eine wichtige Motivation für mich ist anderen Menschen zu helfen und sich weiterzuentwickeln.

www.coaching-balmes.de

Günter Balmes

Meine hilfreichste Entscheidung, die ich unmittelbar nach meinem Ausscheiden traf, war es aus der Ratlosigkeit, Trauer und Irritation ein Buch machen zu wollen.

Ich bin zu Generationsgenossen marschiert und habe die befragt und siehe, das war spannend und tröstlich. Die einen hatten Pläne, einige waren schon dabei diese umzusetzen, andere befanden sich in der Suchphase, vierte noch in der vollen Trauer. Es war in jedem Fall spannend und mancher Gesprächspartner war um das Gespräch so dankbar wie ich. Das Buch bekam den Titel „Der Ruhestand kommt später- Wie Manager das Beste aus den silbernen Jahren machen“. in 2015 kam noch ein Hörbuch zum gleichen Thema dazu „Halbzeit des Lebens-Was nun?“

Dass ich dann nach meinem Umzug nach Mainz so schnell Anschluss an das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung ZWW der Universität Mainz bekam, dort eine Werkstatt Universität und Zivilgesellschaft gründen konnte und einen seitdem laufenden Lehrvertrag erhielt, war ein schöner Zufall.

Das alles machte es mir einfach, aus dem einen bisherigen beruflichen Kompetenzfeld Werbung und Marketing Abschied zu nehmen, das zweite, „Verbände“ halte ich durch Interviews mit Verbandsgeschäftsführern aufrecht, und in ein neues, das sich nach und nach füllt, einzutauchen.

Natürlich ist es nicht einfach, sich in einem neuen, zumal überwiegend professoral besetzten, Themengebiet einen Namen zu machen. Der weitgehende Verzicht, daraus ein ökonomisch einträgliches Geschäft zu machen, und die Bereitschaft, ziemlich fleißig und hartnäckig zu sein, helfen dabei.

Wahrscheinlich gibt es dazu für Spätstarter keine Alternative.

Henning von Vieregge

www.vonvieregge.de

Die ersten Tage nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben waren geprägt von häuslicher Arbeit wie Anstreicharbeiten und Gartenarbeiten und Ähnliches, was im Laufe der Zeit liegengeblieben ist. Urlaubsreisen wurden geplant und umgesetzt.

Es wurden die ersten Überlegungen angestellt, was man noch so in seiner freien Zeit machen könnte. Da ist mir meine Frau sehr behilflich gewesen, die mir durch ihre Bekannte eine neue Aufgabe anbot. Ich konnte die Betreuung eines 18-jährigen Jugendlichen aus Freudenberg übernehmen. Das tat ich dann auch. Zuerst mussten mit ihm die Finanzen geregelt werden, da sich hohe Schulden angesammelt hatten. Diverse Behördengänge waren erforderlich und Anträge, Schreiben etc. mussten verfasst und erledigt werden. Weiterhin benötigte der Jugendliche eine neue Wohnung, denn die alte war mit Schimmel belegt. Da mein Betreuter keine Ausbildung hatte, musste nun eine behindertengerechte Beschäftigung gesucht werden. Auch die wurde in Siegen gefunden – er konnte in der AWO-Einrichtung des Siegener Technik Services eine geregelte Beschäftigung nachgehen. Die Betreuung endete nach 5 Jahren.

Ein weiterer Schwerpunkt ergab sich durch meinen Schwager, der eine Kundenbetreung in Form von Sightseeing-Touren an Rhein und Mainz sowie die Abholung dieser vom Flughafen suchte. Es war ein 400 € Job – sehr stressig und anstrengend durch lange Autofahrten und Zeitdruck.

Zur gleichen Zeit ergab sich wiederum durch eine Bekannte meiner Frau ein weiteres Betätigungsfeld als Kassenwart in dem Verein AlterAktiv. Als ehemaliger Controller kam mir diese Aufgabe sehr entgegen. Der Verein beschäftigt sich mit älteren Menschen, die Hilfe in Computerfragen, Handling von Smartphone und Ähnliches haben.

Der Verein bietet weitere Angebote wie Taschengeldbörse, Klassenpflegschaft, Wohnpartnerschaft, Wohnberatung für Ältere, Orientierung und Hilfe im Alter – alles Betätigungsfelder, wo ich jederzeit weitere Beschäftigung finden kann.

Seit Jahren organisiere ich weiterhin für unsere Turngruppe jedes Jahr Radtouren im In- und Ausland. In den letzten Jahren ist vermehrt die Hilfe bei meinen Schwiegereltern hinzugekommen. Die Arbeit erstreckt sich auf Gartenarbeit, Arztbesuche und Einkäufe.

Ein vielfältiges und Ruhestand-füllendes Programm.

H.G. Kühl

Im Dezember 2011 wurde ich in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Diese Versetzung bedeutete das einstweilige Ende meiner beruflichen Tätigkeit, über die ich mich z.T. definiert hatte.

Ich hatte das Glück, einige Jahre vor der Versetzung in den einstweiligen Ruhestand in Kontakt zu Mitgliedern des Deutschen Druiden-Ordens treten zu können und fand die Aufnahme in einer der Logen des Ordens.

In der ersten Zeit nach der Versetzung in den (einstweiligen) Ruhestand war mir die Gesellschaft von Männern, die gemeinsam an sich arbeiten und für Toleranz und Menschenrechte eintreten, außerordentlich hilfreich. Das Engagement in der Loge füllte die Lücke, welche durch den Wegfall des Broterwerbs durch Arbeit entstanden war.

Als ein Logenbruder meine Hilfe bei einem Projekt brauchte, hatte ich die Zeit, ihn zu unterstützen. Ich fand zufällig danach auch eine Stelle (als Aushilfe), in der ich meine Erfahrung und auch mein Wissen wieder einbringen konnte und dies offensichtlich auch geschätzt wurde. Fast ebenso zufällig kam ich dazu, an einigen Tagen im Jahr als Komparse vor der Kamera zu stehen und Filmen die notwendige Tiefe zu verleihen. Die Entdeckung, dass ein kleines Bisschen Schauspieler in mir steckt, war auch für mich überraschend.

Ich fand neben den Tätigkeiten, mit denen ich mir ein kleines Taschengeld für ein kleines Bisschen Luxus (Ausrüstung für das Boot o.ä.) hinzu verdiene, plötzlich auch Freude daran, mich sozial, kulturell und (jetzt auch) politisch zu engagieren.

Durch die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand bot sich mir die Gelegenheit, mein Leben, meine Lebenseinstellung und die Perspektiven zu überdenken.

Heute, im vierten Jahr meines (nicht ganz freiwilligen) Ruhestandes kann ich es mir nicht mehr vorstellen, mein Leben mit einer Arbeit „9 to 5“ zu verbringen. Der Ruhestand hat mir die Chance eröffnet, meinem Leben mehr Tiefe zu geben, was letztendlich auch zu größerer Zufriedenheit und Ausgeglichenheit führt.

Anonym

Ich bin seit 12 Jahren im Ruhestand und verkürze mir die Zeit mit meinen 9 Enkelkindern, mit der gelegentlichen Veröffentlichung von Schriften (kürzlich: „Nach Bagdad und weiter“, Kitab-Verlag) und mit vorwiegend juristischer Freiwilligenarbeit für das Rote Kreuz (gelegentlich auch für die Caritas).
Nebenbei singe ich in unserem Kirchenchor (Werke von Palestrina über Klassik bis in die Gegenwart), springe manchmal als Organist ein und besuche einen Russischkurs für Fortgeschrittene an der Volkshochschule Mödling.

Georg Potyka

Ich befinde mich seit Anfang 2012 im Ruhestand, auf den ich mich entsprechend vorbereitet hatte. Neue Aufgaben in Form von Ehrenämtern habe ich mir selbst gesucht. Allerdings habe ich mir bei der Auswahl der Ehrenämter Zeit gelassen, vor allem, um die richtigen Ämter für mich zu finden.

Ansonsten bin ich eine rundum zufriedene Rentnerin, der es an nichts fehlt, solange die Gesundheit mitmacht. Jeden Tag genieße ich und freue mich riesig, dass ich nun u.a. Konzerte/Veranstaltungen besuchen kann und mich wie ein „normaler“ Besucher verhalten kann.

Barbara Ste.

Gerne schreibe ich Ihnen über meinen Übergang in den Ruhestand.
Ruhestand ist kein gutes Wort, zumal ich auch wirklich keinen habe und auch nicht haben möchte.

Durch eine Krankheit und anschließende Arbeitslosigkeit bin ich seit 2009 zu Hause. Ruhestandsbezüge bekomme ich seit April 2013.

Seit 2009 besuche ich schöne Orte, welche ich während meiner Berufstätigkeit gesehen aber nicht fotografiert (mein Hobby) habe. Außerdem arbeite ich das Buch mit dem Titel „1000 Orte, welche man vor seinem Tod gesehen haben sollte“ ab. U.a. war ich in den USA, in Indien, Sikkim, Dubai, Türkei und Europäischen Ländern. In diesem Winter werde ich in Afrika sein. Darüber habe ich begonnen Bücher zu schreiben und mit Fotografien zu illustrieren.

Ansonsten arbeite ich sehr viel am Computer, in den sozialen Netzwerken und erstelle und pflege Hompages.

In meiner Gemeinde kümmere ich mich um Schüler mit schwierigem Umfeld innerhalb unserer Gruppe Brühler Aktion 60+ und bin Schöffe am Landgericht.

Treibe täglich Sport (Schwimmen) und kümmere mich um meine Familie mit u.a. 2 Enkeln.

Jetzt verstehen Sie sicher, dass der Ausdruck Ruhestand bei mir nicht passt.

D. Köhler

Der Einstieg ins Privatleben verlief eher atypisch. Ich hatte mein Ausscheiden aus meinem Unternehmen frühzeitig mit der Geschäftsleitung besprochen und terminiert. Die Geschäftsleitung war auch nicht untätig und hat sich rechtzeitig um eine Nachfolge gekümmert, so dass mein Nachfolger ein halbes Jahr vor meinem Ausscheiden da war und ein Einarbeiten und eine reibungslose Übergabe der Aufgaben möglich war. Auch war es von großem Vorteil, dass der Kollege sich in der Materie gut auskannte und wir nicht bei null anfangen mussten.

Letztendlich habe ich nochmals um ein halbes Jahr, bei geringerer Arbeitszeit, verlängert, da neue Aufgaben auf uns zukamen und wir eine gute Übergabe der Geschäftstätigkeiten machen wollten.

Beruflich habe ich in den letzten Jahren an der Einführung und Installation von hoch integrierten Logistikprozessen in meinem Unternehmen gearbeitet. Das ist uns auch hervorragend gelungen. Von Auftragserteilung bis Kostenzuordnung gibt es nun ein geschlossenes System im Unternehmen. Im ersten Schritt haben wir es für Europa installiert. Vor vier Jahren stand dann der Sprung nach Asien an. Eine größere Firmenübernahme hinderte mich daran diesen Schritt zu tun. Es galt den neuen Firmenteil in unser System zu integrieren, was auch gut gelang. Hier zeigte es sich wie flexibel das System der Logistikprozesse reagieren konnte.

Nach dieser Aufgabe stand jetzt die Pension an. Dieser Schritt ins Privatleben fiel mir leicht, da ich meine Aufgaben zu aller Zufriedenheit erledigen konnte und ich selbst auch der Überzeugung war einen guten Job gemacht zu haben. Jetzt war der richtige Zeitpunkt einen Schlussstrich unter mein Arbeitsleben zu ziehen.

Somit konnte ich mich um all die privaten Dinge kümmern, die in den letzten Jahren durch die berufliche Tätigkeit liegen geblieben und zu kurz gekommen waren.

Etliche Renovierungen standen an unserem Haus und Garten an. Als passionierter Heimwerker haben wir nur dann Handwerker beschäftigt, wenn es sich um komplexe Arbeiten oder nicht Aufzuschiebendes handelte. Und wie es so kommt, es gab mehr zu tun als geplant.

Seit vielen Jahren bin ich in einem großen Sportverein im Vorstand. Mit der gewonnenen Freizeit konnte ich die Arbeit etwas intensivieren und nimmt jetzt einen nicht geringen Teil meiner Zeit ein. Auch andere Interessen kamen in den letzten Jahren zu kurz. So nehme ich mir heute mehr Zeit um zu lesen und meine Modelleisenbahn, nach fast 15 Jahren Baustopp, fertig zu stellen. Darüber hinaus gehen wir gerne wandern. Dafür haben wir uns den Dienstag reserviert, klappt leider nicht immer aber wir nehmen jede Woche einen neuen Anlauf. Vor ein paar Jahren haben wir uns ein gemeinsames Hobby gesucht; wir gehen tanzen.

Meine Frau und ich hatten uns vorgenommen mehr zu. Letztendlich ist es uns, nachdem ich jetzt eineinhalb Jahre zuhause bin, noch nicht wirklich gelungen. Hier gibt es noch Nachholbedarf. Eine besondere Freude ist es, wenn unsere beiden Enkelkinder da sind. Es sind zwei Mädchen, jetzt vier und eineinhalb Jahre alt – und sie sind gerne und oft da. Neben dem Spielen fahren wir mit der großen zum Reiten und die kleine geht ins Mutter (Großmutter) und Kind turnen.

Alles in allem kann ich bestätigen, dass man als Rentner keine Zeit hat und der Terminkalender nach wie vor recht voll ist. Ich hatte mir auch nie Sorgen machen müssen, dass ich mich im Ruhestand langweilen würde. Es war klar, dass genügend Interessen und Arbeit auf mich warteten. Wenn sich auch viele Dinge automatisch ergaben, habe ich mich auch auf die Zeit nach meiner Berufstätigkeit vorbereitet.

Allerdings muss ich kritisch anmerken, dass ich meine Frau offensichtlich nicht ausreichend mitgenommen habe. Für sie war es deutlich schwieriger, dass ich jetzt ganz zuhause war und das obwohl sie alle Schritte in den letzten Jahren mitgemacht hatte und wusste was auf sie/uns zukommt. Auch aus Gesprächen mit befreundeten Familien taten sich die Frauen oft schwerer als die Ehemänner sich mit der neuen Situation zurecht zu finden. Ich kann nur raten hier mehr Aufmerksamkeit darauf zu richten.

Klaus Josef Schäfer

Nun bin ich fast 2 Jahre im Ruhestand (Altersteilzeit passive Phase) und die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Das liegt wohl daran, dass ich sie gut nutze und das ist das positive daran.

Für mich war und ist es wichtig, dem schönen Leben ohne Arbeit eine Struktur, einen Plan zu geben. Einfach sich für den Tag, für die Woche, für den Monat etwas schönes, angenehmes vornehmen und auch machen.
In meinem Fall gemeinsam mit meiner Frau, mit der ich 42 Jahre verheiratet bin, aber auch allein.

– Drei bis viermal pro Woche Joggen, Radfahren, Schwimmen, weil es Spaß macht und der Gesunderhaltung dient.
– Kurzreisen, um endlich mal die Gegend kennenzulernen, wo man schon jahrelang wohnt und die man als Außendienstler bereist hat.
– Mit Freunden treffen und ja nicht die Kontakte mit den ehemaligen Arbeitskollegen vernachlässigen.
– Mehrwöchige Urlaubsreisen (3 – 4 pro Jahr) die nicht teuer sein müssen, da man ja kurzfristig planen kann.
– Kino, Theater und Konzerte besuchen.
– Mit den Enkelkindern etwas unternehmen (bei uns 4)

Diese Liste könnte ich noch fortsetzen. Wichtig ist, dass man das macht, was Spaß macht, was zufrieden macht und wo man auch mal an seine körperlichen und geistigen Leistungsgrenzen stößt.

Nils Schönefeld